- Wann die Übelkeit anfängt und wie lange sie bleibt
- Kein Stichtag
- Morgens, abends oder den ganzen Tag
- Verrät Übelkeit am Abend das Geschlecht?
- Schadet die Übelkeit dem Kind?
- Die schwere Form
- Was im Alltag hilft
- Essen
- Ingwer und pflanzliche Mittel
- Homöopathie
- Medikamente und Tabletten gegen Übelkeit
- Was die Studien zeigen
- Nicht durchhalten, sondern fragen
- Einzelne Mittel
- Übelkeit nach dem Essen
- Wann Sie nicht bis zum nächsten Termin warten
- Sofort anrufen
- Abklären lassen
- Der Maßstab sind Sie, nicht der Kalender
- Quellen
- Lesen Sie auch
Gewöhnlich beginnt die Übelkeit in der Schwangerschaft zwischen der 6. und 8. Woche und klingt um die 16. Woche ab, bei manchen hält sie auch länger an. Mindestens die Hälfte aller Frauen hat in der Frühschwangerschaft mit Übelkeit und Erbrechen zu tun. Wann genau sie kommt, zu welcher Uhrzeit und ob sie etwas über das Geschlecht verrät, beschäftigt viele und sagt doch wenig. Wichtiger ist eine andere Frage: Behalten Sie Flüssigkeit bei sich, und schaffen Sie Ihren Alltag? Wenn nicht, ist Durchhalten keine Tugend, sondern ein Grund, sich Hilfe zu holen.

Wann die Übelkeit anfängt und wie lange sie bleibt
Diese Wochen nennt das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG); andere Länder ziehen die Grenzen anders. Laut der amerikanischen Fachgesellschaft der Frauenärztinnen und Frauenärzte beginnt die Übelkeit meist vor der 9. Schwangerschaftswoche und ist bei den meisten Frauen bis zur 14. Woche vorbei, bei manchen dauert sie mehrere Wochen oder Monate, bei wenigen die ganze Schwangerschaft. Die britische Fachgesellschaft für Frauenheilkunde setzt den Start meist in die 4. bis 7. Woche und schreibt, dass sich die Übelkeit bei 9 von 10 Betroffenen bis zur 20. Woche gelegt hat; bei einem Teil hält sie länger an. Eine australische Verbraucherinformation lässt sie um die 4. Woche anfangen und zwischen der 12. und 14. Woche abklingen, wobei etwa jede fünfte Frau sie noch im zweiten Trimester hat.

Kein Stichtag
Für Sie heißt das: Planen Sie nicht mit einem festen Datum für das Ende. Alle vier Quellen kennen Frauen, bei denen die Übelkeit länger bleibt, und wer in Woche 15 noch kämpft, ist kein Sonderfall. Eine Woche zählt trotzdem, nämlich ein später Beginn; dazu unten mehr.
Morgens, abends oder den ganzen Tag
Morgenübelkeit heißt sie, weil die Beschwerden morgens oft am stärksten sind; manchmal halten sie aber den ganzen Tag an. Auftreten kann gewöhnliche Schwangerschaftsübelkeit zu jeder Tageszeit, der Name beschreibt ein häufiges Muster und keine Regel.
Wie wenig verlässlich der Name ist, zeigt eine Erhebung in einer überwiegend ländlichen Region Ostäthiopiens. In dieser Gruppe hatte nur knapp die Hälfte der Schwangeren mit Übelkeit sie vor allem morgens, bei etwa jeder siebten kam sie später, und bei rund 4 von 10 folgte sie gar keinem festen Muster. Das stellt das Wort auf den Kopf, auch wenn es nur eine Region ist: Die klassische Morgenübelkeit war dort in der Minderheit. Wenn Ihnen vor allem abends übel ist, sind Sie also kein Ausnahmefall.
Verrät Übelkeit am Abend das Geschlecht?
Nein, an der Uhrzeit lässt sich das Geschlecht nicht ablesen. Überraschend ist, dass der alte Glaube an ein Mädchen trotzdem einen wahren Kern hat, nur an einer anderen Stelle. Eine Schwangerschaft mit einem Mädchen zählt zu den Faktoren, die das Risiko für sehr starke Übelkeit und Erbrechen erhöhen, neben einer Mehrlingsschwangerschaft, Übelkeit in einer früheren Schwangerschaft, sehr starker Schwangerschaftsübelkeit bei Mutter oder Schwester und Reisekrankheit oder Migräne in der Vorgeschichte. Es geht dabei also um die Stärke der Übelkeit, nicht um ihre Tageszeit. Ein Geschlechtstest wird daraus aber nicht: Mehrere Punkte dieser Liste haben mit dem Kind nichts zu tun, und vorhersagen lässt sich das Geschlecht auf diesem Weg nicht.
Schadet die Übelkeit dem Kind?
In aller Regel nicht. Gewöhnliche Übelkeit und Erbrechen können einige Wochen sehr belasten, haben aber normalerweise keine Folgen für die Schwangere und das Kind. Die britische Fachgesellschaft sieht für leichte bis mittelstarke Übelkeit keine Hinweise, dass das Ungeborene Schaden nimmt; bei sehr starker Übelkeit bis hin zur Hyperemesis gravidarum, der schwersten Form, kann das Baby leichter als erwartet zur Welt kommen, und dann werden dort eventuell Ultraschallkontrollen des Wachstums angeboten.
Mittelstarke Morgenübelkeit geht sogar mit einem geringeren Fehlgeburtsrisiko einher, anhaltendes Erbrechen mit Austrocknung und Gewichtsverlust kann dagegen das Risiko für ein zu geringes Geburtsgewicht erhöhen. Wenig Übelkeit ist umgekehrt kein schlechtes Zeichen: Das ist ein statistischer Zusammenhang, kein Urteil über Ihre einzelne Schwangerschaft.
Die schwere Form
Etwa 1 von 100 Frauen erlebt laut IQWiG eine besonders starke Form mit häufigem, heftigem Erbrechen, die zu Gewichts- und Flüssigkeitsverlust führen kann und meist eine Behandlung im Krankenhaus nötig macht. Britische und amerikanische Fachgesellschaften setzen den Anteil der Hyperemesis höher an, auf bis zu 3 von 100 Schwangere. Welche Zahl stimmt, ändert für Sie nichts: Ob Sie dazugehören, erkennen Sie nicht an einer Statistik, sondern daran, ob Sie Flüssigkeit bei sich behalten, und die genauen Zeichen stehen weiter unten.
Was im Alltag hilft
Essen
Kleine, regelmäßige Mahlzeiten helfen, weil ein nüchterner Magen die Übelkeit fördern kann. Praktisch heißt das fünf bis sechs Mini-Mahlzeiten am Tag, damit er nie leer ist, dazu fettarme, leicht verdauliche Schonkost wie Bananen, Reis, Apfelmus, Toast und Tee und jedes Mal etwas Eiweiß, etwa Milchprodukte, Nüsse oder Nussmus. Ein paar trockene Cracker noch vor dem Aufstehen am Morgen können ebenfalls helfen; stellen Sie sie abends griffbereit neben das Bett. Gesucht ist keine Ernährung nach Lehrbuch, sondern Lebensmittel, die Sie essen und bei sich behalten können.


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Ingwer und pflanzliche Mittel
Ingwer kann den Magen beruhigen, etwa als Kapseln, Ingwerbonbons, Ginger Ale mit echtem Ingwer oder Tee aus frisch geriebenem Ingwer; so empfiehlt es die amerikanische Fachgesellschaft. Der staatliche britische Gesundheitsdienst rät dagegen, in Schwangerschaft und Stillzeit keine pflanzlichen Arzneimittel einzunehmen, und wer bereits andere Medikamente nimmt, sollte vorher in der Apotheke nachfragen. Beide Ratschläge passen zusammen, wenn Sie Ingwerkapseln wie ein Medikament behandeln und nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin nehmen.
Homöopathie
Homöopathie arbeitet mit sehr stark verdünnten Mischungen aus Pflanzen, Tieren oder Mineralien, und solche komplementären Verfahren werden nicht wie übliche Medikamente daraufhin geprüft, wie gut sie wirken. Wer Globuli trotzdem ausprobiert, sollte sie in der Praxis erwähnen wie jedes andere Mittel.
Medikamente und Tabletten gegen Übelkeit
Was die Studien zeigen
In randomisierten Studien von niedriger bis mittlerer Aussagekraft, durchgeführt im ersten und frühen zweiten Trimester und meist nur über 3-7 Tage, linderten Medikamente wie Vitamin B6, Metoclopramid und Dimenhydrinat ebenso wie Ingwer, Quitte, Akupressur und Akupunktur die Übelkeit, die meisten besser als ein Scheinmittel, doch welches Mittel am besten hilft, lässt sich nicht sicher sagen. Es gibt also nicht den einen Geheimtipp, den Sie verpasst haben. Gängige Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen werden oft auch in der Schwangerschaft eingenommen, ebenso Ingwer, doch nach Einschätzung des IQWiG ist die Wirksamkeit der meisten bei Schwangeren kaum untersucht. Zusammen ergibt das ein ehrliches Bild: Einiges lindert, vieles ist dünn erforscht, und genau deshalb gehört die Auswahl in ärztliche Hände.

Nicht durchhalten, sondern fragen
Wenn die Beschwerden nicht abklingen oder Sie Ihren Alltag nicht mehr bewältigen, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen, denn es gibt Mittel gegen Übelkeit, die in der Schwangerschaft sicher sind. Mehrere Präparate können helfen, und einige davon sind für die Schwangerschaft nicht zugelassen, gelten nach britischer Einschätzung aber als unbedenklich für Mutter und Kind, wenn Ärztin oder Arzt sie verordnen. Wie leicht dieser Schritt übersprungen wird, zeigt eine Auswertung aus Norwegen: Von den Frauen, die wegen Hyperemesis ins Krankenhaus kamen, hatten gut 4 von 10 zuerst eine Krankschreibung bekommen, bevor ihnen ein Medikament gegen Übelkeit angeboten wurde. Das verschafft Ruhe, aber keine Behandlung; fragen Sie ausdrücklich nach einem Mittel.
Einzelne Mittel
Nehmen Sie keine Medikamente, ohne dass Ihre Ärztin von der Schwangerschaft weiß und sie Ihnen verordnet hat. Ondansetron birgt als ärztlich verschriebenes Mittel nach bisherigem Wissen wahrscheinlich nur ein geringes Risiko für Mutter und Kind, ein insgesamt erhöhtes Fehlbildungsrisiko zeigte sich nicht, und zu Herz- und Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen sind die Ergebnisse widersprüchlich bei geringer absoluter Risikoänderung. Für Granisetron reicht die Datenlage für eine solche Aussage nicht. Dimenhydrinat macht häufig müde: In einer Studie wurde gut die Hälfte der Frauen, die es nahmen, schläfrig. Vitamin B6 kann helfen, Dosen über 200 mg am Tag können nach einer australischen Verbraucherinformation aber schaden, also halten Sie sich an die Dosis, die Ihre Ärztin empfiehlt.
Übelkeit nach dem Essen
Kommt die Übelkeit direkt nach dem Essen, lohnt ein Blick über die Schwangerschaft hinaus. Wie bei allen Menschen kann dahinter auch eine Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit stecken oder schlicht zu viel auf einmal, während eine Lebensmittelvergiftung Stunden bis Tage brauchen kann, bis sie Übelkeit auslöst. Denkbar ist auch Reflux, denn Sodbrennen und Reflux können durch die Schwangerschaft entstehen oder sich verschlimmern; Übelkeit nach dem Essen ist dafür allerdings ein eher untypisches Zeichen, und oft werden die Beschwerden nach Mahlzeiten, beim Bücken oder Hinlegen und nachts schlimmer.
Was Sie tun können: Essen Sie kleinere Portionen, achten Sie darauf, nach welchen Lebensmitteln es Ihnen schlecht geht, und sprechen Sie anhaltendes Sodbrennen in der Praxis an. Wird die Übelkeit stärker oder kommen Bauchschmerzen dazu, lassen Sie sich ärztlich untersuchen.
Wann Sie nicht bis zum nächsten Termin warten
Sofort anrufen
Rufen Sie Ihre Frauenärztin oder Hebamme an, wenn Sie nur wenig und dunklen Urin haben, gar kein Wasser mehr lassen können, keine Flüssigkeit bei sich behalten, beim Aufstehen schwindlig oder fast ohnmächtig werden oder Herzrasen haben, denn das sind Zeichen von Austrocknung. Das gehört nicht auf den Zettel für den nächsten Termin: Greifen Sie heute zum Telefon. Häufiges, heftiges Erbrechen mit Gewichtsverlust, die schwere Form von oben, gehört ebenfalls in ärztliche Behandlung.
Abklären lassen
Nach Angaben der amerikanischen Fachgesellschaft können Übelkeit und Erbrechen, die erstmals nach der 9. Schwangerschaftswoche auftreten, auf eine andere Erkrankung hinweisen, etwa ein Magengeschwür, eine Lebensmittelerkrankung oder eine Schilddrüsen- oder Gallenblasenerkrankung; weitere Warnzeichen dieser Art sind Bauchschmerzen oder Druckempfindlichkeit, Fieber, Kopfschmerzen und eine Schwellung vorne am Hals. Die britische Fachgesellschaft zieht die Grenze erst bei der 16. Woche und nennt neben Bauchschmerzen auch Schmerzen beim Wasserlassen und frühere Erkrankungen wie Magengeschwür oder Gallensteine als Anlass, andere Ursachen abklären zu lassen. Halten Sie sich an die frühere Grenze: Setzt die Übelkeit erst nach der 9. Woche ein oder kommt eines dieser Zeichen dazu, sprechen Sie Ihre Ärztin darauf an, statt bis zur 16. Woche zu warten.
Der Maßstab sind Sie, nicht der Kalender
Die Übelkeit hält sich an keinen Kalender und an keine Uhr, und das Geschlecht Ihres Kindes steht nicht in ihr. Was sie Ihnen jeden Tag sagt, ist etwas anderes: ob Sie trinken können und ob Ihr Alltag noch funktioniert. Solange beides klappt, sind kleine Portionen, Cracker am Bett und etwas Geduld Ihr Werkzeug. Kippt eines davon, ist der Anruf in der Praxis kein Zeichen von Schwäche, sondern genau der Schritt, für den es Behandlung gibt.
Quellen
- American College of Obstetricians and Gynecologists. value is what Coveo indexes and uses as the title in Search Results.–> <title>Morning Sickness: Nausea and Vomiting of Pregnancy : ACOG
- Better Health Channel (Department of Health, State Government of Victoria). Pregnancy – morning sickness : Better Health Channel
- BMC pregnancy and childbirth. Pre-hospital healthcare for hyperemesis gravidarum: a cross-sectional analysis of baseline data from the SUKK-P study
- Health services insights. Prevalence and Associated Factors in Nausea and Vomiting Among Pregnant Women in Eastern Ethiopia: A Community-Based Cross-Sectional Study
- Healthdirect Australia. Nausea : healthdirect
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Was hilft gegen Übelkeit in der Schwangerschaft?
- MedlinePlus (National Library of Medicine, National Institutes of Health). Gastroesophageal reflux disease: MedlinePlus Medical Encyclopedia
- National Health Service (United Kingdom). Herbal medicines and complementary therapies – NHS
- Nutrients. Comparative Effectiveness of Pharmacological and Non-Pharmacological Interventions for Nausea and Vomiting in Pregnancy: A Systematic Review and Network Meta-Analysis
- Pharmacoepidemiology and drug safety. A Scoping Review of 5‐<styled-content style="fixed-case" toggle="no">HT<sub>3</sub> </styled-content> Antagonist Antiemetic Medication Safety in the Management of Nausea and Vomiting of Pregnancy
- Royal College of Obstetricians and Gynaecologists. Pregnancy sickness (nausea and vomiting of pregnancy and hyperemesis gravidarum) : RCOG
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